Befreiungsversuch in der JVA Würzburg

Am 04.2012 um 14 Uhr trafen wir uns am Cinemaxx, um alles für einen Befreiungsversuch der Herzen in der würzburger JVA vorzubereiten. Denn unsere Botschaft sollte sein, dass „Weder Tod noch Leben, weder Engel noch andere Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,weder hohe Kräfte noch tiefe Gewalten – nichts in der ganzen Schöpfung uns von der Liebe Gottes trennen [kann], die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“ (Röm 38,8f.) Insgesamt waren wir 11 plus 1- also insgesamt (ganz im biblischen Sinne) 12 an der Zahl. Geplant war ein christliches Konzert mit der Band „More“ aus der City Church. Der Bandname „More“ erklärt sich dadurch, dass immer „einer mehr“ auf der Bühne steht als man tatsächlich sehen kann- denn Jesus rockt bei jedem Konzert mehr oder weniger inkognito mit.

 Der Befreiungsversuch („Wenn euch also der Sohn frei macht, seid ihr wirklich frei.“ Joh 8,36) stand schon seit Monaten fest und auch jene „Waffen“ die wir dafür benötigen würden.

[…] aber wir kämpfen nicht wie die Menschen dieser Welt. Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht menschlich, sondern es sind die mächtigen Waffen Gottes, geeignet zur Zerstörung von Festungen.“ (2. Kor. 10,4f. ) – und so verluden wir anstelle von Schusswaffen ein Schlagzeug und anstelle von Messern Mikrophone. Unsere gefalteten Hände und geneigten Herzen waren zum Kampf bereit.

Im Gefängnis angekommen wurden wir durch die langen Gänge geführt, die durch ein Duzend Türen und Tore unterbrochen waren. Die Türen wurden vor uns auf und hinter uns zugeschlossen und so gelangten wir immer weiter ins Innere, bis in die Gefängniskapelle. Diesen Moment fand ich sehr symbolisch: Jesus kam mit uns hier im Schlepptau. Schritt für Schritt, Tür für Tür, Tor für Tor durften wir weiter ins Innere dieses Gebäudes. Genauso wie wir uns gemeinsam mit Jesus zu diesen Gefangenen aufmachte, hatte Jesus sich einst zu uns aufgemacht als wir noch „Gefangene“ waren und nicht in seiner Freiheit lebten. Und genauso wirkt Jesus noch immer in unserem Leben – Tag für Tag, wenn er sich auf den Weg macht, um zu unseren Herzen vorzudringen und wir müssen ihm dabei nur folgen. Er öffnet immer eine weitere Tür zu unserem Herzen. Wir konnten den Gefangenen nur von Jesus erzählen, indem wir ihnen ganz nah waren. Ebenso kann Jesus nur dann deutlich in unser aller Leben sprechen, wenn wir ihm immer mehr Türen zu unserem Herzen öffnen lassen.

Das Konzert unter dem Thema „Gott spricht: Ihre Verbindung wird gehalten“ sollte deutlich machen, dass es bei Gott keine Funklöcher gibt. Egal wie viel Türen und Tore uns von ihm zu trennen scheinen. Seine Verbindung ist immer „hervorragend“ und wenn wir die uns anvertrauten Waffen nutzen dann „[…] sind die mächtigen Waffen Gottes, geeignet zur Zerstörung von Festungen.“ (2. Kor. 10,4f. ). Die Musik begann, Jesus rockte und berührte die Menschen im Raum: Menschen fingen an mitzusingen, den Kopf oder das Knie im Takt zu bewegen. Ein Mann begann kräftig mit zu klatschen, wurde mit einem Stirnrunzeln von seinem Nachbarn kritisch gemustert und verstummte dann wieder. Frauen auf den oberen Rängen begannen freudig zu schreien. Manche blieben stumm und ohne Gesichtsregung sitzen, andere wurden zu Tränen gerührt. Wir konnten Gottes Gegenwart spüren, man konnte auch die Freude die Gott durch Lieder und Gebete brachte direkt spüren. C.S. Lewis sagte einmal, dass eine Kerze in einem hellen Raum zwar romantisch sei, dass sie aber nie die Wirkung habe wie in einem komplett dunklen Raum. Wenn Christen als Lichter der Welt in einem Gottesdienst vor sich hin flimmern ist das ganz nett, aber es wird nie eine so große Wirkung haben wie in einem dunklen Raum. Daher hier schien es hier „heller“ zu sein als in manchem gewöhnlichen Gottesdienst.

Die Mehrheit in diesem Raum schien zudem authentisch: Hier, an einem solchen Ort, war es offensichtlich, dass jeder eine gewisse Schuld auf sich geladen hatte. Das war sehr schwer zu verstecken. Vielleicht konnte Gott deshalb hier mit einer gewissen Leichtigkeit wirken. Immer dann wenn wir unsere Masken fallen lassen und uns der Dunkelheit bewusst sind, kann Gottes Licht umso heller scheinen. Einige Häftlinge stimmten in das Lied ein, dass von einem Gott erzählte, der die Gefangenen frei machte.

Kerstins erzählte von einem Gott der WUNDERbare Heilungen vollbringen kann und Daniel bestärkte, dass Gott bis ans Ende der Welt bei uns bleibt (egal wo unser persönliches Ende liegt). Etwas erschrocken schienen Einige als sie hörten, dass die Lobpreissängerin, die gerade noch so lieblich gesungen hatte erklärte wie wütend sie doch auf Gott gewesen sei:

Nach dem Tod einer Freundin habe ich Gott gefragt ob er wirklich gut sei. Und ich habe ihm gesagt, dass ich mich für immer von ihm abwenden würde, wenn er mir keine Antwort darauf gibt. Gott hat mir nicht geantwortet. Aber Gott hat mich in dieser schweren Zeit auch nie alleine gelassen. Und das war seine Antwort.“, erzählte Rachel. Etwas zögerlich griffen nun einige erneut nach dem Stift und den ausliegenden Gebetskarten, um ihre Gebetsanliegen aufzuschreiben:

Ich bete darum, dass ich wieder zurück zu meiner Frau finde und sie zu mir“, „Betet für S., dass sie die Zeit gut übersteht und ihre Herzlichkeit bewahrt.“, „Betet für alle Menschen, die ich hier kennen und lieben lerne“, „Betet für meine Kinder und meine Frau“.

Gott hatte diesen Raum mit Hoffnung gefüllt und zumindest manche Herzenstüren ins „Innere“ ein Stück weit passieren können und dadurch Befreiung gebracht. Ein Häftling schmuggelte am Ende eine kleine Botschaft in unseren Dankeschön- Blumenstock: “Danke für alles, und alls Gute für die Zukunft für euch!” “Danke für Euer Konzert! Gottes Segen! Gruß S.” Ein anderer schrieb „Danke für das Konzert und für das Licht, dass ihr gebracht habt.“

 „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, von der Finsternis frei wird.“ (Joh 12,46)

By Bethaus/ God's House Posted in Franzi

Das Haus des Herrn

In den ersten Monaten nach unserem Einzug stießen wir auf ein Bild „Where is God’s house“ http://www.pixelenthusiast.com/images/gh_invite_front.jpg Das Bild hat uns sofort angesprochen und wir fragten uns wo God’s house letztlich sein wird. Diese Frage hat uns nie wirklich losgelassen. Wir wussten, dass God’s house in unserer God’s flat begonnen hatte- doch wo war God’s house?!

Während der letzten Monate, in denen wir mehr gefühlte Tiefen als Höhen erlebten fragten wir uns manchmal ob wir uns vielleicht doch verhört hatten. Was wenn Gott einen anderen Plan hatte und nicht dieses Haus, auf das wir warteten?

Was wenn mit dem Haus gar kein steinernes Haus, sondern vielmehr ein Symbol gemeint war?

Was wenn…?

Immer wieder habe ich mich gefragt welche Form dieses Haus wohl annehmen wird. Gott hat uns ein Bild gegeben, das für mich noch etwas unscharf, etwas verschwommen ist. Den genauen Plan mit all den Feinheiten kann ich (noch) nicht erkennen und würde es doch so gerne. Manchmal haben mich die Fragen und Zweifel so eingenommen, dass ich an der ganzen Verheißung gezweifelt habe und genau in diesen Momenten brachte Gott Menschen in unser Leben, die uns wieder Hoffnung gegeben haben.

Mit Ende des letzten Jahres lernten wir immer wieder Menschen kennen oder hörten Geschichten von Menschen, deren Sehnsucht nach einem Ort wie God’s house ebenso groß war wie unserer. Menschen, deren Herz für eine Erweckung der Stadt lichterloh brennt. Diese Begegnungen haben Mut gemacht, aber dennoch blieb Gott auf die Frage wo denn nun God’s house sei stumm.

Oder doch nicht?

Mit dieser Frage in meinem Herzen blätterte ich in der Bibel (wie man das als guter Christ eben so tut) und blieb beim Propheten Haggai hängen. Hier hatte ich bereits letztes Jahr diverse Verse markiert, die mir klar ins Herz gesprochen hatten. Nun las ich sie erneut- vielleicht war Gott gar nicht so stumm, vielleicht waren wir einfach zu taub?

„Die Zeit ist noch nicht gekommen, daß das Haus des HERRN gebaut werde!“Da erging das Wort des HERRN durch den Propheten Haggai also: Ist es aber für euch an der Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus in Trümmern liegt?“ (Haggai 1,2 ff.) Der Bibelvers erwischte mich ganz schön- das Haus lag also wüst, weil wir [alle die, die zur Vision God’s house gehören und eben diese Sehnsucht wie wir im Herzen tragen] uns mehr um unsere persönlichen Belangen kümmerten, als um Gottes Haus/ Willen?! Diese “Belangen” oder Visionen, die mit den Jahren Form angenommen hatten, sahen bei jedem ein wenig anders aus.

In den nächsten Zeilen fand ich weiter, dass wir alle sogar sehr viel Energie und Zeit in „unsere Belangen“ investierten, dabei jedoch nie einen wirklichen Ertrag erhalten würden. Selbst wer „Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel“ (1,6) ohje, diese Situation kannten Rachel und ich nur allzu gut und wussten auch von anderen Bekannten um solche Probleme.

Es folgte der Aufruf zum Hausbau: „So spricht der HERR der Heerscharen: Achtet genau auf eure Wege!Geht auf den Berg und holet Holz und bauet das Haus! Das wird mir gefallen und mir zur Ehre gereichen, spricht der HERR.“ (1,7 f.) Gott ruft uns dazu auf während wir (und damit meint er alle, denen er eine Verheißung für Würzburg gegeben hat!) noch stark damit beschäftigt sind unseren Belangen nachzugehen und Gott spricht zu uns: „Ihr erwartet viel, aber es ward wenig daraus; und brachtet ihr es heim, so blies ich es weg! Warum das? So spricht der HERR der Heerscharen: Um meines Hauses willen, das wüste liegt, während jeder von euch seinem Hause zuläuft!Darum hat der Himmel über euch seinen Tau zurückgehalten und die Erde ihren Ertrag. “ (1,9 f.)

Ich dachte an die Begegnungen und Gespräche der letzten Wochen: Jeder „Bauarbeiter“ von uns hatte in den letzten Monaten und Jahren nach Gottes Verheißung für einen solchen Ort zu „bauen“ begonnen (Es hatte bereits verschiedene Gebetsbewegungen gegeben, Gemeindegründungen, Gebetsgruppen, Evangelisation etc.). Und so begannen verschiedene Bauleute an verschiedenen Orten der Stadt Würzburg unterschiedliche Teile des Hauses zu bauen. Ich denke jeder musste dabei feststellen, dass man kein gemeinsames Haus unabhängig voneinander bauen kann, wenn man nicht irgendwann zusammen kommt um die Einzelteile zusammen zu fügen. Und genau dafür sorgte Gott auch, denn „[…] der HERR erweckte den Geist [der Bauleute] daß sie kamen und ihre Arbeit am Hause des HERRN der Heerscharen, ihres Gottes, in Angriff nahmen“ (1,14). Ich musste schmunzeln und daran denken, wie Gott bereits einzelne Bauleute von uns zusammen „an einen Tisch“ gebracht hatte.

„Wer ist unter euch übriggeblieben, der dies Haus in seiner frühern Herrlichkeit gesehen hat? Und wie sehet ihr es jetzt? Ist es nicht so viel wie nichts in euren Augen?“ (2,3) Ich lese dies als eine rhetorische Frage und eine Erinnerung an jene Schau, die  Gott uns persönlich  in der Vergangenheit gegeben hat: “Damals”, das heißt für die eine Gruppe der Bauleute “vor ein paar Wochen” , für die andere Gruppe jedoch “vor ein paar Monaten oder Jahren”. “Damals” als Gott diese Sehnsucht in unserem Herzen geweckt hat. “Und heute stehen wir da und es sieht wie nichts aus”-  vielleicht haben manche von uns den Traum einer Erweckung vergessen oder sogar schon ganz aufgegeben. Aber auch wenn wir mutlos sind, so ermutigt uns Gott doch und spricht uns Hoffnung zu, das alle Versprechen keine bloße Einbildung waren:

„Das Wort, gemäß welchem ich mit euch einen Bund gemacht habe […] soll bestehen, und mein Geist bleibt in eurer Mitte; fürchtet euch nicht! „Denn also spricht der HERR der Heerscharen: Noch einen kleinen Augenblick, und ich erschüttere den Himmel und die Erde, das Meer und das Trockene; und ich will auch alle Nationen erschüttern, und es werden die Kostbarkeiten aller Nationen kommen, und ich will dieses Haus mit Herrlichkeit erfüllen, spricht der HERR der Heerscharen. Mein ist das Silber, und mein ist das Gold, spricht der HERR der Heerscharen. Es soll die Herrlichkeit dieses letzten Hauses größer werden, als die des ersten war, spricht der HERR der Heerscharen; und an diesem Orte will ich Frieden geben, spricht der HERR der Heerscharen.“ (2,5 ff.)

Die letzten Verse finde ich sehr ermutigend, in denen Gott uns auffordert am Tempelbau dran zu bleiben. Er verspricht uns, dass dann jene Dürre vorbei sein wird. „Gebt nun acht von diesem Tage an und weiterhin, vom vierundzwanzigsten Tage des neunten Monats an, von dem Tage an, da der Tempel des HERRN gegründet worden ist, merket auf! […] aber von diesem Tage an will ich segnen! “ (2,18f. )

Lasst uns dafür beten, dass Gott uns alle an “einen Tisch” bringt (indem er uns an seine Verheißung erinnert), damit wir sein Haus gemeinsam zusammensetzen können!

By Bethaus/ God's House Posted in Franzi
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